Reisebericht Deutschland

Urlaub im Saarland

Kürzlich habe ich mich entschlossen, dem kleinsten deutschen Bundesland einen Besuch abzustatten. Wenn man die Stadtstaaten im Norden nicht mitzählt, dann ist dies das Saarland im äußersten Südwesten unserer Republik. Wohl kaum in Bundesland hat in der jüngeren Vergangenheit eine derart verworrene und abwechslungsreiche Geschichte vorzuweisen wie das Land an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg.

Was die Bayern gerne wären, nämlich frei und unabhängig, das war das Saarland bereits. Selbst die Deutsche Fußballnationalmannschaft musste sich vor ihrem grandiosen Titelgewinn 1954 in der Schweiz zuerst einmal einen harten Sieg gegen das Saarland in der Qualifikation erkämpfen, um überhaupt dabei sein zu können. Land und Leute sind in vielerlei Hinsicht vom französischen Laissez-faire geprägt. Man geht schnell einmal über die kaum noch sichtbare Grenze und kauft beim französischen Bäcker das einfach köstlich schmeckende Baguette oder den Käse ein. Ein beneidenswertes Völkchen.

Saarland von Nord nach Süd

Auch wenn das Saarland im flächenmäßigen Vergleich sogar kleiner ist als Bremen, können Sie jede Menge Interessantes im Saarland erkunden. Das Land, das einmal zu Frankreich, dann wieder zu Deutschland gehörte und später sogar unabhängig war, begeistert mit weiten Auen, dichten Wäldern und einer einst wichtigen Industriekultur, von der heute allerdings nur noch Ruinen stehen. Mit dem Auto bin ich in knapp einer Stunde von den Weinanbaugebieten im Norden, in denen der süffige Mosel-Saar-Ruwer gedeiht, in den Süden gefahren, wo sich die großen weiten Felder des Biospähren-Reservates Bliesgaus ausdehnen. Außer der Landeshauptstadt Saarbrücken mit der Ludwigskirche, in der etwas über 240 000 Einwohner leben, gibt es keine größeren Städte in der Region. Homburg, bekannt für die Karlsberg-Brauerei und die Schlossberghöhlen, hat gerade etwas mehr als 40 000 Einwohner.
Saarland – einstige Industrieregion von Weltformat

 

Wie bedeutend das Saarland für die französische und die deutsche Wirtschaft war, zeigen die ehemaligen Stahlwerke in Völklingen (mittlerweile Teil des Weltkulturerbes) und Neunkirchen. Während meines Besuches traf ich immer wieder auf alte, ruhende Fördertürme, die früher die Kumpels vor Ort brachten. Ebenso interessant ist die attraktive Stadt Saarlouis. Die Festungstürme und die ehemaligen Kasernen, die von dem bekannten französischen Baumeister Vauban errichtet wurden, sind heute noch nahezu vollständig erhalten.